Zukunftsbilder

Gemeinsam wollen wir verschiedene Aspekte einer lebenswerten, hoffnungsvollen Vision der Zukunft formulieren und benutzen das Geschichtenerzählen als Werkzeug für den Entwurf einer gemeinschaftlichen Zukunft sowie um den Verlauf des Geschehens zu beeinflussen. Dazu hat die Zukunftsbilder-Werkstadt Wädenswil einen Geschichtenwettbewerb ausgeschrieben.

Es freut uns nun sehr, nachfolgend die beiden prämierten Zukunftsgeschichten auf dieser Plattform sowie unter transition-waedenswil.ch publizieren zu dürfen. Wir wünschen viel Freude beim Lesen der Texte "Jonas, der alte Mann und die kleine Fee..." von Adrian Ebenberger sowie "Wir heilen uns selber immer und überall" von Matthias A. Weiss.


JONAS, DER ALTE MANN UND DIE KLEINE FEE…

Eine Geschichte über Glück, Achtsamkeit und ein Leben im Einklang mit der Natur
Von Adrian Ebenberger

Manchmal ist es ein flüchtiger Gedanke, manchmal eine zufällige Begegnung und manchmal auch beides, aus dem etwas Grosses entstehen kann. An jenem Frühlingstag im Rosenmattpark war ein solcher Augenblick, der die Welt um uns herum zu verändern könnte.

„Was machst du da?“, fragte Jonas den alten Mann, der gedankenversunken auf einer Parkbank sass. Überrascht hob der alte Mann den Kopf. Vor ihm stand ein kleiner Junge, nicht älter als 7 Jahre, der ihn mit wachen Augen anblickte. „Ich schaue euch Kindern beim Spielen zu und denke darüber nach, wie sich unsere Stadt doch verändert hat“, antwortet der Mann. „Erzählst du mir eine Geschichte?“, fragte der kleine Junge erwartungsvoll den Mann. Der Nachmittag war noch jung, der alte Mann hatte Zeit und Jonas war fest entschlossen, eine Geschichte zu hören. „Meinetwegen“, antwortete er. Jonas setzte sich zu ihm auf die Bank und lauschte aufmerksam seinen Worten.

„Vor einiger Zeit, es dürften zwei Jahrzehnte her sein, da begann unsere Gemeinde immer schneller zu wachsen. Die Quartiere breiteten sich aus, die Häuser wuchsen in die Höhe, die Strassen wurden breiter und viele Grünflächen verschwanden, weil die Menschen immer mehr Raum für sich beanspruchten“, begann der Mann zu erzählen. „Mit dem Geld, das die Menschen verdienten, kauften sie grosse Autos, leisteten sich teure Ferien und konsumierten alles, wonach ihnen war. Eigentlich hatten sie alles, was ihr Herz begehrte. Und doch waren die Menschen in der Stadt nicht glücklich...“ Jonas unterbrach den alten Mann. „Weshalb sollen Erwachsene nicht glücklich sein, wenn sie alles haben, was sie begehren?“, wollte er wissen. „Das ist eine wichtige Frage“, antwortete der Mann. „Viele Menschen leben in der Illusion gefangen, dass der Konsum ihre tiefere Sehnsucht nach Sinn, Identität und Selbstverwirklichung erfülle. Sie suchen ihr Glück in materiellen Dingen wie teuren Uhren, Schmuck, Autos und Ferienwohnungen, merken dabei aber nicht, dass sie sich dadurch immer mehr von ihrer eigentlichen Natur entfremden.“ Vieles von dem, was die Menschen erschaffen hatten, machte sie nicht wirklich glücklich.

Jonas spürte den Worten des alten Mannes nach. „Wie soll ich das verstehen, dass wir uns von der Natur entfremden?“, wollte Jonas wissen. „Viele Erwachsene leben gefangen in ihrem Umfeld von Beruf und Freizeit und haben kaum noch Bezug zu ihrer natürlichen Umwelt. Viele Kinder, die auf den Strassen spielen, wissen kaum noch, woher die Milch, die Früchte, das Essen stammt, die sie ernährt. Immer weniger Menschen wissen, wie es sich anfühlt, Gemüse in den Händen zu halten, das sie selber angepflanzt haben. Von Menschen, die so leben, kann man kaum erwarten, dass sie Sorge zur Umwelt tragen, weil sie keine Beziehung zu ihr haben.

Als die Worte des alten Mannes verklungen waren, war es im Park bereits eingedunkelt. Es wurde kälter und die andern Kinder im Park waren verschwunden. Jonas hatte jedes Zeitgefühl verloren, als sich der alte Mann bei Jonas erkundigte, ob ihn die Eltern nicht vermissen würden. Jonas nickte und fragte sogleich, ob sie sich am nächsten Tag wieder im Park treffen würden. Der alte Mann nickte zustimmend, dann trennten sich ihre Wege.

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Lange noch als Jonas schon im Bett lag gingen ihm die Worte des alten Mannes durch den Kopf. Im Traum erschien ihm eine kleine Fee. Sie reichte ihm die Hand und sagte mit heller Stimme: „Folge mir Jonas, ich zeige dir ein Land, wo alle Menschen glücklich sind.“ Jonas fasste die Hand und folgte ihr. Der Weg führte durch eine Blumenwiese, als sie zu erzählen begann: „In der Welt, in der ich lebe, gilt die Achtsamkeit als oberstes Gebot. Achtsam zu sein bedeutet, präsent und bewusst zu sein und im Einklang mit der Natur zu leben. Schon kleinen Kindern bringt man bei, dass ihr Denken und Handeln Einfluss auf die Umwelt hat und sie lernen, Verantwortung für ihr Taten zu übernehmen.“ Das Mädchen wies mit ihrer Hand auf ein Gebäude in der Ferne. „Siehst du das Schulgebäude dort, was fällt dir auf?“ Jonas musterte das Gebäude. „Ich sehe ein Gehege mit Tieren und um das Gebäude herum einen Gemüsegarten.“ „Ja, richtig“, antwortete die Fee. „Im Unterricht lernen wir nicht nur Mathematik, Lesen und Schreiben, wir lernen auch, Tiere und Pflanzen zu pflegen und für die Umwelt Verantwortung zu übernehmen. Dies entwickelt unsere Fähigkeit für selbständiges Denken und Teamarbeit und wir entwickeln eine Beziehung zur Natur.“ Gerne hätte Jonas den Worten der kleinen Fee noch lange gelauscht, als ihn die Stimme seiner Mutter aus dem Traum weckte.

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Am Nachmittag erschien Jonas erneut im Park, wo in der alte Mann ihn erwartete. Aufgeregt erzählte Jonas von seinem Traum. „Achtsamkeit ist die Voraussetzung für Glück und ein sinnerfülltes Leben“, begann der alte Mann. „Achtsamkeit können wir nur entwickeln, indem wir lernen, allem was uns umgibt, Sorge zu tragen und Verantwortung für unsere Taten zu übernehmen. Unser Schulsystem gibt der Entwicklung von Achtsamkeit bei den Kindern nur wenig Raum. An unseren Schulen wird dagegen laufend geprüft, ob die Kinder den Normen entsprechen und die Anforderungen des Arbeitsmarktes erfüllen. Auf individuelle Begabungen und Bestrebungen nimmt dieses System keine Rücksicht“, sagte der alte Mann in bekümmerndem Ton. „Alle Kinder sollten ein Anrecht darauf haben, glücklich zu sein und eine gute Schulzeit zu erleben, etwa durch Freude am Lernen, durch den Aufbau von Freundschaften und durch die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.“

„Im Land der blauen Fee“, fuhr der alte Mann fort, „werden die Kinder gefördert, indem sie lernen, Verantwortung zu übernehmen. Dadurch entwickeln sie soziale Fähigkeiten, Respekt vor der Natur und sie lernen, ihrer Umgebung Sorge zu tragen. Wenn wir unsere Gesellschaft zum Positiven verändern wollen, dann müssen wir bei den Kindern beginnen.“
„Weshalb soll man bei den Kindern beginnen, wenn es doch die Erwachsenen sind, die unsere Welt gestalten, in der wir leben?“, wollte Jonas wissen. Der alte Mann blickte ihm in die Augen und antwortete: „Erwachsene denken anders als Kinder und sie haben vielfach eine festgefahrene Meinung, was einen Wandel in der Gesellschaft erschwert. Kinder hingegen sind offen für ein neues Denken, sie verstehen schnell und sie sind in der Lage, in ihrem Umfeld etwas zu bewirken. Deshalb sollten Erwachsene vermehrt auf die Kinder hören.“ Jonas und der alte Mann unterhielten sich noch eine Weile, bis sie sich verabschiedeten.

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In dieser Nacht erschien die kleine Fee erneut in Jonas’ Traum. „Heute verrate ich dir, was für uns wirkliches Glück bedeutet“, sagte sie und begann zu erzählen. „In unserem Land ist nicht wichtig, wie viel wir produzieren und was wir uns alles leisten können. Mit Geld können wir uns die Dinge nicht kaufen, wie wirklich wichtig im Leben sind. Was für uns zählt, ist das Glück der Menschen. Der wirklich wichtige Massstab für Glück ist ein sinnerfülltes Leben, das uns erlaubt, im Einklang mit unseren Wünschen, unserer Umwelt und der Gemeinschaft zu leben.“ Jonas folgte aufmerksam ihren Worten. „Für ein glückliches Zusammenleben haben wir den Weg der Nachhaltigkeit und der Erfüllung gewählt, der sämtliches Leben auf unserer Erde respektiert. Glücklich machen vor allem die Dinge, die man nicht kaufen kann, etwa eine intakte Familie, gute Freunde, eine sinnstiftende Arbeit, Gartenarbeit, ein Spaziergang im Wald oder eine Tomate in unserer Hand, die wir selber angepflanzt haben“, führte sie aus. „Ganz wichtig für uns ist auch die Mitsprache. In jeder Gemeinde gibt es Räume, wo wir Geschichten kreieren und gestalten können, und in der neue Ideen für das Leben in der Gemeinschaft entstehen. Denn Mitsprache und der Austausch sind die Basis für ein glückliches Zusammenleben.“

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Auch am dritten Nachmittag berichtete Jonas dem alten Mann von seinem Traum. Erneut war der alte Mann sichtlich berührt von dem, was der Junge ihm erzählte. „Heute wird unsere letzte Begegnung sein, da ich eine längere Reise unternehmen werde“, sagte der alte Mann. “Bevor sich unsere Wege trennen, lass uns deine Geschichte niederschreiben. Es wäre zu schade, wenn niemand davon erfahren und sie in Vergessenheit geraten würde.“ Jonas willigte zustimmend ein. Also setzten sich die beiden zusammen und schrieben ihre Geschichte nieder. Als die Geschichte mehrere Seiten füllte, war es wieder dunkel. Traurig darüber, dass die Begegnungen hier enden sollten, ging Jonas nach Hause.

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Auch in dieser Nacht besuchte ihn im Traum die kleine Fee. „Heute Nacht sehen wir uns zum letzten Mal. Dann ist meine Mission erfüllt“. Jonas horchte auf. „Von welcher Mission sprichst du?“, wollte er wissen. Die kleine Fee blinzelte ihn an, überlegt kurz, und fuhr fort. „Die Begegnungen mit dem alten Mann und mir waren kein Zufall. Wir waren lange Zeit auf
der Suche nach einer Person, die unsere Mission mit uns entwickeln und weitertragen würde. In dir haben wir die passende Person gefunden. Du wurdest auserwählt, die Menschen daran zu erinnern, was gut für sie ist und was es braucht, damit sie die wahren Werte im Leben wieder erkennen. Mit eurer Geschichte habt ihr einen Wegweiser für ein Leben voller Glück und im Einklang mit der Natur geschrieben. Nun liegt es an den Menschen in deiner Stadt, daraus ihre Lehren zu ziehen und ihre eigene Geschichte zu schreiben.“ Ehe Jonas seine Gedanken ordnen konnte und sich im Klaren war, wie er auf die Worte der Fee reagieren sollte, da weckte ihn die Stimme seine Mutter. Es war der Anfang von einem neuen Tag.

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Autor:
Adrian Ebenberger lebt seit 2019 zusammen mit seiner Lebenspartnerin in Wädenswil. Zu seinen Hobbies gehören Lesen, Kochen, Biken und geselliges Zusammensein mit Freunden



Wir heilen uns selber - immer und überall

Von Matthias A. Weiss

»Wir heilen uns selber immer und überall «. Ein grosser Satz, ich weiss. Dennoch bleibe ich dabei, denn das haben wir schon immer getan und werden es in alle Zukunft tun können, hoffentlich einfach bewusster als bis anhin.

Wieso ich mir da so sicher bin?

Weil jeder Elternteil, dessen Kind sich das Knie aufgeschlagen hat und im Anschluss danach Mami oder Papi aufsucht, seit jeher schon geheilt hat, und zwar in exakt in jenem Moment; ohne Nach-zu-denken, also den Gedanken eines oder einer anderen zu folgen, sondern wenn schon jemandem oder etwas zu folgen, dann sich selbst, der eigenen Intuition, bzw. bloss zu sein mit dem, was einem gerade in den Sinn kommt oder noch "einfacher", mit dem, was ist …, also dem Schmerz, dem Schock, den Tränen, der Geduld oder Ungeduld, dem Mitgefühl dem Atem und so weiter.

Zwar bin ich selbst kein Vater. Das, was Eltern jedoch in genau jenem Moment tun, ist heilsam. Oder hat ein kleiner Segensspurch in jenem Moment noch nie Wunder gewirkt? Oder blieb das auf die Wunde Blasen je foglenlos?

Ich weiss … Auch mein Intellekt redet mir nur schon beim Verfassen dieser Zeilen mithinein: »Was, wenn sich das Kind dabei etwas gebrochen hat?«, »Was, wenn wir es nicht rechtzeitig zum Arzt oder zur Ärztin schaffen?« oder Ähnliches sind Gedanken und/oder Zweifel, die uns in jenen Momenten das Leben schwer machen (können), bzw. uns, wenn wir jene "haben", aus unserer
Mitte herauskatapultieren. Was aber, wenn wir einfach bei uns blieben? In unserer Mitte?

Denn genau jenes in unserer Mitte Sein und Bleiben oder anders formuliert, das bei sich Sein und Bleiben ist es, was ich als heilsam und heilend empfinde, immer wieder, bei jeder und jedem von uns, immer und überall.

Denn als ehemaliger Theologe und heutiger Heiler erfahre ich dies nicht nur Tag für Tag sei es bei Klientinnen und Klienten oder auch bei und an mir selbst ––, sondern bin mir einfach gewiss, dass jede und jeder die innere Doktorin oder den inneren Doktor stets mit sich führt, und jen er oder jene uns überall zur Verfügung steht; wie übrigens auch den inneren Richter oder die innere
Anwältin. Und dies sogar global! Wir sind nämlich enorm mächtige Wesen.

Ob wir es glauben (wollen) oder nicht: das Einzige, was uns dabei bremsen oder gar stoppen kann, sind wir selbst oder allfällige Gedanken und Gefühle, die wir meinen, "haben" zu müssen. Das ist alles; und auch nicht weiter schlimm. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Beobachte ich jedoch Tiere oder kleine Kinder, so tun die nach einer Verletzung schlicht das, was ihnen gut tut, ohne darüber nachzudenken, welche allfälligen Konsequenzen ihr Tun oder Lassen haben könnte … Sie tun es einfach oder lassen es mitunter bleiben, je nach Moment und Gefühl. So simpel wäre das sich selber Heilen nämlich. Und so einfach ist es (auch)!

Zugegeben, einen solchen Weg zu gehen, ist nicht immer (gleich) leicht. Sie wissen schon: »Was denken wohl die Nachbarn?« oder »Wenn alle so handelten, wie sähe wohl unsere Welt aus?« et cetera … Das hatten wir bereits.

Mich selbst dünkt gerade die zuletzt gestellte Frage eine (enorm) gut Gestellte: »Wie sähe unsere Welt nämlich aus, wenn jede und jeder davon wüsste, dass er oder sie ein total mächtiges Wesen ist und sich jederzeit und überall selber heilen kann?« Und zusätzlich: »Wie sähe unsere Erde erst aus, wenn jede und jeder danach handelte?«

Ich wage es kaum, mir dies vorzustellen, da sich nur schon beim "blossen" dazu Hineinspüren ein übergrosses Glücksgefühl in meinem ganzen Körper ausbreitet. Was will man, was will frau da noch mehr?

Fangen wir also an, uns (selber) zu ermächtigen und dort zu heilen, wo wir es uns wünschen. Ich halte das in der aktuellen Zeit geradezu für not wendig.

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Autor:
Matthias A. Weiss, Geistiger Begleiter, Kursleiter und Autor. Seit seiner Selbständigkeit im Jahre 2005 begleitet der studierte evangelisch-reformierte Theologe und ausgebildete Seelsorger Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen, hält Kurse und Vorträge oder schreibt Bücher.
www.hokairos.ch



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Wie wir Zukunft neu denken. Barbara Bleisch im Gespräch mit der Politökonomin Maja Göpel
https://www.youtube.com/watch?v=wNnM2XcmDzQ


VHS ZUKUNFTSDIALOG, Prof. Dr. Harald Welzer im Gespräch mit Dr. Wolfgang Niess
„ALLES KÖNNTE ANDERS SEIN – EINE GESELLSCHAFTSUTOPIE FÜR FREIE MENSCHEN“ In seinem neuen Buch entwirft der Sozialpsychologe Harald Welzer eine machbare, positive Zukunft. Anstatt nur zu kritisieren oder zu lamentieren, macht sich der Soziologe und erprobte Zukunftsarchitekt Gedanken, wie eine gute Zukunft aussehen könnte.
https://www.youtube.com/watch?v=gNX_YmTf35s





Zukunftsbild "Arbeitswelt"  
von Peter Wüthrich          

https://www.padras.ch/
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Zukunftsbild "Ringstadt" 
von Peter Wüthrich  
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https://transition-waedenswil.ch/



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