Marktwirtschaft



Wirtschaft

Sinn und Zweck der Wirtschaft ist, durch planvolle Anstrengung und mit begrenzten Mitteln eine bestmögliche Bedürfnisbefriedigung für uns Menschen zu erzielen, damit wir ein würdevolles Leben führen können:
 • ausreichende Güterproduktion
 • ausreichende Dienstleistungsproduktion
 • gerechte Verteilung von Gütern und Dienstleistungen
 • ein menschenwürdiges Leben sicherstellen

Kaum ein Teilsystem der Gesellschaft ist einer derart rasanten Veränderung unterworfen, wie die Ökonomie!


Markt

Ursprünglich als zentraler Platz eines Ortes (Marktplatz) entstanden, wo Waren oder Leistungen angeboten wurden - sich Angebot und Nachfrage trafen - ist nun zum allgegenwärtigen Treiber für eine Entwicklung zur Wohlstandsvermehrung sowie unaufhaltsamen „Verökonomisierung“ sämtlicher Lebensbereiche geworden. Ja, der Markt hat sich zum beinah alleinseligmachenden Steuerungsinstrument zur Lösung aller Probleme in die Herzen des Homo Oeconomicus gebrannt. Für alle Lebenslagen gilt: „Der Markt wird es schon richten!“ oder „Der Markt regelt das schon!“ oder „Gebt dem Markt den gebührenden Freiraum zur Entfaltung und er meistert sämtliche Probleme dieser Welt!“.

Es ist keine Frage, dass der Markt zur Erreichung verschiedener Ziele in unterschiedlichen Bereichen sehr effektiv und effizient das gewünschte Ergebnis erreicht. Insbesondere das System der „sozialen Marktwirtschaft“ verbesserte – vor allem auch in materieller Hinsicht - in den vergangenen Jahrzehnten unsere Lebensqualität stark. Dies beweisen quantitativ objektiv messbare Grössen, wie die längere Lebenserwartung und den höheren Lebensstandard, die Zunahme von materiellem Wohlstand sowie des physischen Wohlbefindens.

Heute nimmt die Wirtschaft jedoch einen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein, der einem an sektiererische Phänomene erinnert. Ökonomische Prozesse sowie wirtschaftliche Strukturen werden als Naturgesetze charakterisiert und beschrieben, welche in der Naturordnung begründet seien! Wer sieht da noch durch: Es gibt nur wenig Führer/Verführer, dafür viele, sehr viele Geführte/Verführte.

Es ist an der Zeit, das gegenwärtige, omnipräsente ökonomische Weltbild sowie die eingeschliffenen ökonomischen Denkmuster kritisch zu hinterfragen und mögliche Alternativen zu formulieren. Dank der eher neuen Disziplin und Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft hat die Verhaltensökonomie sowie die Spieltheorie auch empirisch belegt, dass der Homo oeconomicus nicht nur als egoistischer rationaler Nutzenmaximierer handelt und hat damit das Weltbild vieler Ökonomen neu aufgemischt.

Wirtschaftliche Zusammenhänge sind keine Naturgesetze und sind gestaltbar. Markt ist auch immer wieder neu zu denken! Wofür und wieviel Markt brauchen wir? Wo macht der Markt zur Erreichung welcher Ziele Sinn oder welche anderen Institutionen, soziale Einrichtungen können neben dem Markt in gesellschaftlich relevanten Bereichen als kompetente „Problemlöser“ im Alltag auftreten und so normative Wirkung ausüben sowie Werte vorgeben und Pflichten festlegen? Die Familie, das Bildungswesen, das Gerichtswesen, der Staat oder die Kirche und andere Organisationen können unser Handeln grundlegend mitbestimmen und schränken Willkür und Beliebigkeit ein und geben den Menschen Verhaltenssicherheit und somit auch Handlungskompetenz.

Nachfolgend noch ein empfehlenswerter Link zu einer interessanten, anregender Lernplattform über «Plurale Ökonomik für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Wirtschaftsweise». Ziel dieser Open-Access E-Learning-Plattform ist, dem monodisziplinären und einseitigen Zugang der Wirtschaftswissenschaft einen offenen, interdisziplinären und pluralistischen Ansatz entgegenzusetzen. Exploring Economics reagiert auf den internationalen Appell von Studierenden und Wissenschaftler*innen für einen grundlegenden Wandel in der Wirtschaftswissenschaft, der durch die Finanzkrise 2007/2008 und durch weitere ökonomische, ökologische und soziale Krisenerscheinungen verstärkt wurde. «Indem wir alternative Ideen und Ansätze stärken, wollen wir Schüler*innen, Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen dazu befähigen, eine sozial-ökologische Transformation hin zu einem nachhaltigen ökonomischen System voranzutreiben.»   https://www.exploring-economics.org/de/     
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(Quelle: Nachfolgende drei  Übersichten sind aus der vorerwähnten Lernplattform entnommen)
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Es geht also nicht darum, die Marktwirtschaft abzuschaffen, sondern diese grundlegend neu zu denken und zu verändern – das Wirtschaftssystem ist auf das Gemeinwohl, auf den Klimaschutz und die Artenvielfalt auszurichten. Aber neben dem Neudenken von Wirtschaft ist auch Wohlstand neu zu messen und somit ist das Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Maß für die Wirtschaftsleistung neu zu definieren.

Es sind Konzepte einer gut funktionierenden Wirtschaft ohne Wachstumszwang zu entwickeln und zu verwirklichen. Unternehmen müssen in ihren Bilanzen nicht nur den klassischen Finanzbericht sondern auch eine Berichterstattung über den Energie- und Ressourcenverbrauch angeben. Wirtschaftliches handeln muss am Gemeinwohl orientiert sein und nicht nur an den alleinigen Bedürfnissen und Wünschen der Shareholder. Im Weiteren sind umweltschädliche Subventionen abzuschaffen und für erneuerbare Energien einzusetzen.

Die grosse Herausforderung der Politik ist es, diesen Veränderungsprozesse zu initiieren und eine Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft zu verwirklichen sowie die Zivilgesellschaft zu motivieren, diesen Wandel mitzugestalten und mitzutragen. Es sind neue Regeln für ein nachhaltiges Wirtschaften und ein kooperatives Miteinander zu definieren und umzusetzen. Der Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft gelingt nur, wenn stark eingeprägte Lebensweisen geändert werden und zu einem Verhaltenswandel führen – unterstützt durch einen technischen Wandel. So wie der Mensch tiefe Spuren im Ökosystem hinterlassen hat, kann nur der Mensch diese durch ihn verursachte Veränderungen korrigieren und aufhalten.

So werden dann vielleicht in Zukunft die viele Sendungen über Aktienkurse und Wirtschaftsmeldungen, welche täglich in den Programmen von Radio und TV ausgestrahlt werden, vermehrt durch Informationssendungen über aktuelle Projekte zur Verbesserungen der Biodiversität, über Fortschritte im Umweltschutz und über gelungene Anstrengungen zur Verminderung der Kluft zwischen Arm und Reich abgelöst!


Wo steht die Weltwirtschaft? Kommt ein Crash? Was können wir dagegen tun?
Unbedingt sehenswert ist nachfolgendes Video von Herrn Prof. Dr. Christian Kreiss und man wird belohnt mit Wissen über Zusammenhänge, die man nicht einfach so in der ökonomischen Literatur zu Ohren bekommt. Man erfährt wie das System der Umverteilung von «Unten» nach «Oben» durch das leistungslose Einkommen funktioniert. Was aber sind «leistungslose Einkommen»? Das sind also Einnahmen, für die man nicht arbeiten muss, sind nicht nur asozial und unethisch, sondern machen unsere Wirtschaft krank. Wir haben riesige Ströme von Renteneinkommen in Form von Dividenden, Mieten, Pachten und Zinsen in unserem Wirtschaftssystem: beinahe ein Drittel des Volkseinkommens. Diese Geldströme zahlt jeder von uns jeden Tag, jedes Mal, wenn er einkaufen geht. Dieses leistungslose Geld müsste eigentlich zu den leistungslosen Menschen fließen, also denjenigen, die nicht arbeiten können: zu unseren Kindern, Senioren und Kranken. Dann wäre unser Wirtschaftsleben gesund, das Geld würde im sozialen Organismus wie das Blut im natürlichen Organismus zirkulieren.

Dorthin fließt es aber nicht. Sondern es fließt – weitestgehend willkürlich, weil leistungslos – auf die Girokonten privater Vermögensbesitzer. Diese wissen ab einer bestimmten Menge nicht mehr wohin damit, kumulieren es immer weiter, in immer neue Anlagen, die zuletzt kein Mensch mehr braucht. Geld und Vermögen vermehren sich selbst immer weiter wie Krebs. Und der endet oft tödlich.

Übertragen auf unsere Gesellschaft: Unser Wirtschaftsleben ist schwer krebskrank und steht vor einer tragischen Bereinigung, sei es durch Depression, Bürgerkrieg oder Krieg - wenn wir nichts ändern. Die ersten Symptome dieser schweren Krankheit sind 2007/ 2008 in Form der Finanz- und Eurokrise aufgeflackert. Sie ist jedoch alles andere als vorbei. Sie hat noch nicht einmal wirklich angefangen.

Den kommenden Crash zu vermeiden wäre extrem einfach: Die krebsartig gewucherten Vermögen auf ein gesundes Maß beschneiden und das Geld den einkommensschwachen Menschen zurückgeben, von denen es stammt. Die leistungslosen Einkommen dahin kanalisieren wo sie hingehören: zu den leistungslosen Menschen. Dann brauchen wir keine über uns hereinbrechende blinde, tragische Bereinigung mehr, sondern dann lösen wir das Problem mit gesundem Menschenverstand (aus «Leistungslose Einkommen machen uns krank» von Christian Kreiß, Februar 2016)
https://www.youtube.com/watch?v=u1XJ5HRb4l4

Verschiedene Ansätze alternativer Wirtschaftsmodelle zum vorherrschenden neoliberalen Ökonomiesystems sind auf der Seite «Alternative Wirtschaftssysteme» aufgeführt.